Veröffentlicht am März 12, 2024

Entgegen der Annahme, dass nur Nichtstun Erholung bringt, liegt der Schlüssel zur tiefen Regeneration in gezielter körperlicher Aktivität, die das Gehirn neu kalibriert.

  • Physische Anforderung schaltet das grübelnde „Default Mode Network“ im Gehirn ab und ersetzt mentalen Stress (Distress) durch positiven Belastungsstress (Eustress).
  • Bewusste Naturerlebnisse, wie sie in deutschen Mittelgebirgen oder an Küsten möglich sind, regenerieren nach der „Attention Restoration Theory“ aktiv die Konzentrationsfähigkeit.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einer gut geplanten, kurzen Tour in einer vertrauten deutschen Region wie dem Thüringer Wald oder entlang eines Qualitätswanderwegs, um den Effekt selbst zu erleben.

Sie kommen aus zwei Wochen Strandurlaub zurück, der Koffer ist ausgepackt, die Urlaubsbräune noch frisch – doch im Kopf fühlt es sich an, als wären Sie nie weggewesen. Das Gedankenkarussell dreht sich weiter, die To-do-Listen für die Arbeit sind schon wieder präsenter als die Erinnerung an das Meeresrauschen. Wenn Ihnen dieses Szenario bekannt vorkommt, sind Sie nicht allein. Viele erschöpfte Berufstätige stellen fest, dass passives Ausruhen am Pool oder Strand die mentale Batterie nicht wirklich auflädt. Das liegt daran, dass unser Gehirn im Leerlauf oft erst recht zu grübeln beginnt.

Die gängige Lösung scheint logisch: mehr Entspannung, weniger tun. Doch was wäre, wenn die wahre Erholung nicht in der Abwesenheit von Anstrengung, sondern in der richtigen Art von Anforderung liegt? Hier kommt das Paradoxon der Aktivreise ins Spiel. Die Vorstellung, sich im Urlaub körperlich zu fordern, mag zunächst abschreckend wirken. Doch die neurobiologische Wahrheit ist: Gezielte körperliche Aktivität in der Natur ist eine der wirksamsten Methoden, um den mentalen Lärm des Alltags zu verdrängen und eine tiefere, nachhaltigere Form der Erholung zu finden. Es geht nicht darum, sportliche Höchstleistungen zu erbringen, sondern darum, den Geist durch den Körper zu heilen.

Dieser Artikel ist Ihr Wegweiser in die Welt der regenerativen Aktivreisen. Wir entschlüsseln, warum eine Wanderung im Schwarzwald erholsamer sein kann als eine Woche All-inclusive. Sie erfahren, wie Sie Ihre erste Reise so gestalten, dass sie belebt statt auslaugt, welche Aktivität zu Ihrem persönlichen Erholungsbedarf passt und welche entscheidenden Fehler Sie vermeiden müssen, um Stress nicht einfach nur an einen anderen Ort zu verlagern.

Warum Aktivurlaub erholsamer ist als 2 Wochen am Strand?

Das Versprechen des Strandurlaubs ist die totale Entspannung durch Nichtstun. Doch die Realität sieht oft anders aus. Eine GfK-Studie zeigt, dass zwar 57% der Deutschen Erholungsurlaub zum Entspannen bevorzugen, doch die erhoffte Wirkung bleibt manchmal aus. Tatsächlich gaben in einer Umfrage elf Prozent der Befragten in Deutschland an, sich im Sommerurlaub weniger gut erholt zu haben. Der Grund liegt in unserem Gehirn: Das Default Mode Network (DMN), ein Netzwerk von Hirnregionen, das bei Untätigkeit aktiv wird, ist für Tagträume, aber auch für selbstbezogenes Grübeln und Sorgen verantwortlich. Am Strand liegend geben wir diesem Netzwerk freien Lauf.

Ein Aktivurlaub durchbricht diesen Kreislauf gezielt. Er nutzt vier neurobiologische Mechanismen für eine tiefere Erholung:

  • Kognitive Verdrängung: Beim Wandern auf einem schmalen Pfad oder beim Konzentrieren auf die nächste Kletterroute muss sich Ihr Gehirn auf die unmittelbare Aufgabe fokussieren. Es bleibt schlicht keine Kapazität für das DMN und die damit verbundenen Sorgen.
  • Eustress statt Distress: Die körperliche Anstrengung erzeugt Eustress, einen positiven, motivierenden Stress. Dieser aktiviert vorteilhafte Hormone, die dem negativen Distress (chronischer Arbeitsstress) entgegenwirken, anstatt ihn nur zu pausieren.
  • Attention Restoration Theory (ART): Naturerlebnisse, insbesondere in weitläufigen Landschaften, regenerieren unsere „gerichtete Aufmerksamkeit“, die im Büroalltag durch ständige Reize erschöpft wird. Der Blick ins Grüne oder über einen Berggipfel ist buchstäblich Balsam für das Gehirn.
  • Psychologische Vielfalt: Die Kombination aus körperlicher Ermüdung, mentaler Konzentration und den wechselnden Sinneseindrücken der Natur schafft eine reiche Erfahrung, die den Geist vollständig vom Alltag abkoppelt.

Im Gegensatz zur passiven Erholung, die den Geist oft in seinen gewohnten Schleifen gefangen hält, zwingt der Aktivurlaub das Gehirn zu einem Reset. Die Erschöpfung am Abend einer Wanderung ist eine zufriedene, körperliche Müdigkeit – nicht die zermürbende mentale Erschöpfung des Büroalltags.

Wie Sie Ihre erste Aktivreise erholsam statt erschöpfend gestalten?

Die größte Sorge bei der ersten Aktivreise ist, sie mit falschem Ehrgeiz anzugehen und am Ende erschöpfter zurückzukommen als zuvor. Der Schlüssel liegt in einer durchdachten Planung, die Genuss vor Leistung stellt. Vergessen Sie Kilometerzählen und Höhenmeter-Rekorde. Ihr Ziel ist Regeneration, nicht Wettkampf. Beginnen Sie mit kleinen, bewältigbaren Zielen, um das Prinzip des „aktiven Slow Travel“ zu verinnerlichen.

Für einen gelungenen Einstieg haben sich in Deutschland folgende Strategien bewährt:

  • Zertifizierte Wege nutzen: Verlassen Sie sich auf das Netz der Qualitätswanderwege, die vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert sind. Diese bieten klare Markierungen, definierte Schwierigkeitsgrade und eine verlässliche Infrastruktur, was Planungsstress minimiert.
  • Ausrüstung als Stressprävention: Investieren Sie in gute Ausrüstung. Schlecht sitzende Wanderschuhe oder ein drückender Rucksack sind der häufigste Grund für gescheiterte Touren und verwandeln potenzielle Erholung in eine Qual.
  • Basis-Fitness aufbauen: Sie müssen kein Marathonläufer sein, aber eine gewisse Grundfitness verhindert, dass die Reise zur Tortur wird. Regelmäßiges Treppensteigen, Radfahren zur Arbeit oder kurze Wochenendwanderungen im lokalen Stadtwald bereiten Ihren Körper sanft vor.
  • Bewusst genießen statt hetzen: Planen Sie lieber nur eine oder zwei Etappen einer längeren Route und nehmen Sie sich Zeit, die Landschaft bewusst wahrzunehmen, Pausen zu machen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Dieser sanfte Einstieg sorgt dafür, dass die körperliche Anforderung im Bereich des positiven Eustress bleibt und nicht in negativen Distress umschlägt. Es geht darum, eine Balance zu finden, die den Geist fordert, ohne den Körper zu überfordern.

Wanderer auf einem gut ausgeschilderten Qualitätswanderweg in deutschem Mittelgebirge

Wie auf diesem Bild zu sehen ist, liegt die wahre Qualität einer Aktivreise nicht in der extremen Herausforderung, sondern im friedlichen Innehalten. Ein gut markierter Weg, eine bequeme Bank mit Aussicht – das sind die Zutaten für eine erholsame Erfahrung, die den Kopf frei macht und die Sinne schärft. Der Fokus liegt auf dem Weg, nicht nur auf dem Ziel.

Radreisen, Wanderreisen oder Kletterreisen: Was erholt Sie am meisten?

Die Wahl der richtigen Aktivität ist entscheidend für den Erholungserfolg, denn jede Sportart spricht unterschiedliche psychologische Bedürfnisse an. Es gibt keine pauschal „beste“ Aktivreise – nur die, die am besten zu Ihrem aktuellen Zustand und Ihrem Erholungsziel passt. Möchten Sie den Kopf freibekommen, sich erden oder über sich hinauswachsen? Die Antwort auf diese Frage führt Sie zur idealen Aktivität.

Die folgende Übersicht zeigt, wie verschiedene Aktivitäten auf die Psyche wirken und hilft Ihnen bei der Auswahl. Diese Analyse basiert auf Erfahrungswerten und sportpsychologischen Erkenntnissen über die Wirkung von Bewegungsmustern und Umgebungen, wie sie zum Beispiel in einem umfassenden Ratgeber zu Aktivreisen zusammengefasst sind.

Vergleich der Erholungswirkung verschiedener Aktivreisearten
Aktivität Psychologisches Profil Erholungseffekt Einstiegslevel
Radreisen (z.B. Ostseeküsten-Radweg) Meditativer Flow, Freiheitsgefühl Gleichmäßige Belastung, geringes Verletzungsrisiko Leicht bis mittel
Wanderreisen (z.B. Malerweg) Erdung, Entschleunigung Tiefe Naturverbindung, flexible Pausen Leicht
Kletterreisen (z.B. Fränkische Schweiz) Intensive Konzentration, Selbstüberwindung Adrenalin und Erfolgserlebnisse Mittel bis schwer
Wassersport (Kajak/SUP) Ruhe, neue Perspektiven Ganzkörper-Workout mit geringer Gelenkbelastung Leicht bis mittel

Radreisen sind ideal, um in einen meditativen Rhythmus zu finden. Die gleichmäßige Bewegung und die vorbeiziehende Landschaft erzeugen einen Flow-Zustand, der das Grübeln unterbricht. Sie eignen sich hervorragend für Menschen, die Weite und ein Gefühl von Freiheit suchen. Wanderreisen hingegen wirken erdend und entschleunigend. Der langsame Rhythmus schärft die Wahrnehmung für Details und fördert eine tiefe Verbindung zur Natur. Sie sind die beste Wahl bei mentaler Erschöpfung. Kletterreisen erfordern höchste Konzentration und sind damit der ultimative „Gedanken-Stopper“. Das Gefühl, eine schwierige Route gemeistert zu haben, stärkt das Selbstvertrauen enorm und ist ideal für Menschen, die eine mentale Blockade durchbrechen wollen.

Der Fehler, der Aktivreisen in Stress statt Erholung verwandelt

Der größte Saboteur der Erholung im Aktivurlaub ist ein unsichtbarer Begleiter, den wir aus dem Arbeitsleben mitbringen: der Leistungsgedanke. Wenn der Urlaub zu einem weiteren Projekt mit Zielen, Metriken und Effizienzdruck wird, verfehlt er seinen Zweck. Dieser eine Fehler – die Performance-Falle – verwandelt potenziellen Eustress unweigerlich in negativen Distress. Es ist der subtile Übergang vom „Ich wandere, um die Natur zu erleben“ zum „Ich muss heute noch 20 Kilometer schaffen“.

Um diesem hausgemachten Stress zu entgehen, sollten Sie vier häufige Fehlerquellen bewusst umschiffen:

  • Die Performance-Falle: Überfrachten Sie Ihren Urlaub nicht mit sportlichen Zielen. Lassen Sie Kilometer, Höhenmeter und Durchschnittsgeschwindigkeiten los. Das einzige Ziel ist, sich am Ende des Tages gut und zufrieden zu fühlen, nicht, eine Tabelle auszufüllen.
  • Die Tyrannei der Technik: GPS-Tracker, Fitness-Apps und das ständige Posten von Erfolgen in sozialen Medien können den Leistungsdruck verstärken. Lassen Sie das Smartphone bewusst im Rucksack oder schalten Sie es in den Flugmodus. Echter Digital Detox bedeutet, den Moment für sich zu erleben, nicht für ein digitales Publikum.
  • Falsche Selbsteinschätzung: Eine zu schwere Route zu wählen, ist ein Garant für Frust und Erschöpfung. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Nutzen Sie Angebote wie Testtouren beim Deutschen Alpenverein (DAV), um Ihre Fähigkeiten und Kondition realistisch einzuschätzen, bevor Sie eine anspruchsvolle Tour buchen.
  • Über-Planung: Ein durchgetakteter Plan ohne Flexibilität erzeugt Stress. Planen Sie bewusst Puffer-Tage für Spontaneität, schlechtes Wetter oder einfach nur, um an einem besonders schönen Ort länger zu verweilen. Erholung braucht Raum, keine Deadline.

Die Kunst der erholsamen Aktivreise liegt darin, die Aktivität als Mittel zum Zweck – der mentalen Regeneration – zu sehen und nicht als Selbstzweck. Es geht darum, den inneren Antreiber in den Urlaub zu schicken und stattdessen den neugierigen Entdecker das Steuer übernehmen zu lassen.

Wie lange sollte eine Aktivreise dauern, um optimal zu erholen?

Die optimale Dauer einer Aktivreise ist weniger eine Frage von Wochen als vielmehr eine Frage von Phasen. Im Gegensatz zum passiven Urlaub, bei dem die Erholung oft erst nach mehreren Tagen einsetzt (wenn überhaupt), kann bei einer Aktivreise der regenerative Effekt viel schneller eintreten, da der „Reset-Knopf“ im Gehirn früher gedrückt wird. Die Forschung und Erfahrung von Reiseanbietern deuten auf einen idealen 3-Phasen-Erholungszyklus hin, der sich auch auf kürzere Zeiträume anwenden lässt.

Dieser Zyklus gliedert sich wie folgt:

  1. Phase 1: Abschalten (Tag 1-3): In den ersten Tagen findet die wichtigste Umstellung statt. Die körperliche Aktivität und die neue Umgebung zwingen das Gehirn, vom Arbeits- in den Erholungsmodus zu wechseln. Das Gedankenkarussell wird durch die Notwendigkeit, sich auf den Weg, das Wetter und den eigenen Körper zu konzentrieren, abrupt gestoppt.
  2. Phase 2: Auftanken (Tag 4-7): Sobald der Kopf frei ist, beginnt die eigentliche Regeneration. In dieser Phase können Sie die Naturerlebnisse tief aufnehmen, die körperliche Anforderung genießen und die Batterien wieder aufladen. Die Erholung wird spürbar und nachhaltig.
  3. Phase 3: Sanfter Wiedereinstieg (letzte 1-2 Tage): Die letzten Tage dienen dazu, die Intensität langsam zu reduzieren und die Erholung zu festigen. Ein ruhigerer Tag vor der Heimreise hilft, den positiven Effekt nicht sofort wieder im Alltagsstress zu verlieren.

Das Gute daran: Dieser Zyklus funktioniert auch im Kleinen. Ein verlängertes Wochenende kann bereits ausreichen, um die erste und wichtigste Phase des Abschaltens intensiv zu durchlaufen. Ein sogenanntes Mikroabenteuer von Freitag bis Sonntag, zum Beispiel eine Hüttentour in den bayerischen Voralpen, kann oft eine stärkere regenerative Wirkung haben als eine ganze Woche passives Warten auf Erholung. Für eine tiefgreifende „Auftank“-Phase sind jedoch sieben bis zehn Tage ideal.

Wie Sie Sporturlaub mit echtem Naturerleben statt reiner Leistung gestalten?

Ein Sporturlaub wird erst dann zu einer wirklich tiefen Erholung, wenn der Fokus vom „Sport“ auf das „Erleben“ wechselt. Es geht darum, die Aktivität als Schlüssel zu nutzen, um die Natur intensiver und bewusster wahrzunehmen, anstatt die Landschaft nur als Kulisse für die eigene Leistung zu betrachten. Diese Verschiebung der inneren Haltung verwandelt eine rein physische Betätigung in eine meditative und regenerative Praxis.

Der Weg dorthin führt über kleine, aber wirkungsvolle Achtsamkeitsübungen, die Sie mühelos in jede Aktivität integrieren können. Sie erfordern kein esoterisches Wissen, sondern nur die bewusste Entscheidung, die Sinne zu öffnen.

  • Vom Ziel zum Weg: Verlagern Sie Ihren Fokus weg von der Frage „Wann sind wir endlich da?“ hin zu „Was kann ich genau jetzt auf diesem Meter Weg entdecken?“. Nehmen Sie Details bewusst wahr: die Form einer Wurzel, die Farben des Mooses, die Spuren von Tieren.
  • Die goldenen Stunden nutzen: Planen Sie Ihre Aktivitäten bewusst für die Zeit um Sonnenauf- oder -untergang. Das weiche Licht und die besondere Atmosphäre in diesen „goldenen Stunden“ intensivieren das Naturerlebnis und schaffen unvergessliche Eindrücke.
  • Sinnliches Waldbaden (Shinrin-yoku): Ergänzen Sie Ihre Wanderung durch Phasen des bewussten Verweilens. Suchen Sie sich einen Platz, lehnen Sie sich an einen Baum und schließen Sie die Augen. Hören Sie für zehn Minuten nur auf die Geräusche des Waldes – das Rauschen der Blätter, das Knacken von Ästen, den Gesang der Vögel. Diese in Japan entwickelte Praxis senkt nachweislich Stresshormone.
  • Alle Sinne aktivieren: Beschränken Sie Ihre Wahrnehmung nicht auf das Sehen. Riechen Sie den Duft von feuchter Erde nach einem Regen. Fühlen Sie die raue Rinde eines Baumes. Schmecken Sie eine wilde Beere (sofern Sie sie sicher identifizieren können).

Diese einfachen Techniken holen Sie aus dem Kopf und bringen Sie vollständig in den gegenwärtigen Moment. Sie machen aus einer Wanderung im Pfälzerwald oder einer Radtour am Bodensee eine tiefgreifende Begegnung mit sich selbst und der Natur.

Wald, Berge oder Küste: Welches Naturerlebnis passt zu Ihrem Erholungsbedarf?

Die Natur ist nicht gleich Natur. Jeder Landschaftstyp hat eine spezifische psychologische Wirkung und kann unterschiedliche Bedürfnisse nach Erholung stillen. Die Wahl des richtigen Umfelds ist daher genauso wichtig wie die Wahl der Aktivität. Deutschland bietet mit seinen 97 Naturschutzgebieten und über 200.000 Kilometern Wanderwegen eine immense Vielfalt, um genau die Umgebung zu finden, die Ihre Seele gerade braucht.

Stehen Sie vor einer wichtigen Entscheidung, fühlen Sie sich ausgebrannt oder einfach nur energielos? Die Landschaft kann Ihnen als Spiegel und als Kraftquelle dienen. Der folgende Vergleich hilft Ihnen, den passenden Naturraum für Ihre aktuelle Lebenssituation zu identifizieren.

Psychologische Wirkung verschiedener Naturräume
Naturraum Psychologische Wirkung Empfohlen bei Beispielregion
Wald Introspektion, Stressabbau, Geborgenheit Mentaler Erschöpfung, Burnout-Gefahr Thüringer Wald
Berge Weite, Perspektivwechsel, Selbstwirksamkeit Festgefahrenen Situationen Zugspitzmassiv
Küste Freiheit, Energie, ‚Durchpusten‘ des Kopfes Gedankenkarussell, Energielosigkeit Nordseeinsel Sylt
Seen/Flüsse Ausgeglichenheit, fließender Rhythmus Stress durch Großstadtleben Spreewald

Der Wald, wie der Thüringer Wald oder der Schwarzwald, wirkt wie ein schützender Kokon. Das Blätterdach dämpft Geräusche, das grüne Licht beruhigt die Nerven. Er ist der ideale Ort für Introspektion und zur Prävention von Burnout, da er ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Die Berge, beispielsweise rund um die Zugspitze, bieten das genaue Gegenteil: Weite und einen unendlichen Horizont. Der physische Aufstieg und der Blick von oben fördern einen Perspektivwechsel auf die eigenen Probleme und stärken das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie sind perfekt, um aus festgefahrenen Denkmustern auszubrechen. Die Küste, sei es die raue Nordsee auf Sylt oder die sanfte Ostsee, steht für Freiheit und Energie. Der Wind pustet den Kopf frei, das unendliche Meer relativiert Sorgen. Ideal bei innerer Unruhe und Energielosigkeit. Seen und Flüsse wie im Spreewald wirken ausgleichend. Das Wasser und der fließende Rhythmus bringen Ruhe und Gelassenheit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktive Erholung übertrifft passives Ausruhen, da sie durch gezielte Anforderung das mentale Grübeln (Default Mode Network) unterbricht.
  • Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die „Performance-Falle“ zu vermeiden und Genuss vor Leistung zu stellen, idealerweise auf zertifizierten Wegen in Deutschland.
  • Die Wahl der Aktivität (Wandern, Radfahren) und der Umgebung (Wald, Berge, Küste) sollte auf den individuellen psychologischen Erholungsbedarf abgestimmt sein.

Wie Sie Sporturlaub als tiefgreifendes Naturerlebnis statt reiner Aktivität gestalten?

Sie haben die richtige Aktivität und die passende Landschaft gewählt. Nun geht es um den letzten, entscheidenden Schritt: die Transformation von einer reinen Aktivität zu einem unvergesslichen, tiefgreifenden Naturerlebnis. Dies geschieht nicht automatisch, sondern durch eine bewusste innere Haltung. Es ist die Kunst, nicht nur *in* der Natur zu sein, sondern *mit* ihr in Verbindung zu treten. Der Schlüssel dazu ist, das „Warum“ Ihrer Reise zu definieren. Suchen Sie Selbstfindung, eine tiefere Verbindung zur Natur oder wollen Sie Ihre Grenzen testen? Dieses „Warum“ wird Ihr Kompass sein.

Um diese Verbindung in der Praxis zu kultivieren, hilft eine einfache, aber kraftvolle Methode: die 3-S-Regel. Sie ist ein mentales Werkzeug, um aus dem Autopiloten des Wanderns oder Radfahrens auszusteigen und den Moment vollständig zu erfassen.

Makroaufnahme von Morgentau auf Waldpflanzen während einer achtsamen Wanderpause

Genau hier setzt die 3-S-Regel an: im Detail, das man sonst übersehen würde. Anstatt an diesem Tautropfen vorbeizugehen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um seine perfekte Form und das Spiel des Lichts darin zu bewundern. Das ist der Kern eines tiefen Naturerlebnisses.

Ihr Plan für ein tiefgreifendes Naturerlebnis: Die 3-S-Regel

  1. Stoppen: Halten Sie bewusst an, auch wenn es keinen „Grund“ gibt. Nehmen Sie eine bequeme Haltung ein, atmen Sie tief durch und unterbrechen Sie den physischen Rhythmus.
  2. Scannen: Erfassen Sie Ihre Umgebung aktiv mit allen Sinnen. Was sehen Sie in der Ferne und im Detail? Welche Geräusche hören Sie? Welche Gerüche nehmen Sie wahr? Wie fühlt sich der Wind auf Ihrer Haut an?
  3. Staunen: Erlauben Sie sich, von einem Detail fasziniert zu sein – sei es eine Blume, eine Wolkenformation oder das Glitzern von Wasser. Betrachten Sie es ohne zu urteilen oder zu analysieren, mit der Neugier eines Kindes.
  4. Integrieren: Führen Sie am Abend ein kurzes Reisetagebuch. Notieren Sie nicht die Kilometer, sondern die drei stärksten Natureindrücke des Tages. Was hat Sie am meisten berührt oder überrascht?
  5. Das ‚Warum‘ ehren: Fragen Sie sich am Ende des Tages, ob die heutigen Erlebnisse Sie Ihrem persönlichen „Warum“ der Reise nähergebracht haben. Dies gibt der gesamten Erfahrung eine tiefere Bedeutung.

Diese Praxis verwandelt Ihren Aktivurlaub von einer Checkliste von Orten und Wegen in eine Sammlung von bedeutungsvollen Momenten. Es ist dieser qualitative Unterschied, der für eine langanhaltende mentale Regeneration sorgt und Sie mit mehr als nur müden Beinen nach Hause kommen lässt – nämlich mit einem erfrischten Geist.

Planen Sie Ihre nächste Auszeit nicht als Flucht vor der Anstrengung, sondern als bewusste Reise zur wahren Erholung. Ihr Geist wird es Ihnen danken.

Geschrieben von Anna Krüger, Anna Krüger ist zertifizierte Reiseberaterin für Aktivreisen mit 10 Jahren Erfahrung in der Planung individueller Sport- und Kulturreisen. Sie arbeitete für führende deutsche Aktivreise-Veranstalter und berät heute selbstständig Sportbegeisterte bei der optimalen Auswahl und Vorbereitung erlebnisreicher Destinationen.