
Die beste Ausdauersportart ist nicht die, die am meisten Kalorien verbrennt, sondern die, die biomechanisch zu Ihnen passt.
- Schwimmen reduziert die Gelenkbelastung um bis zu 90 % und ist ideal bei Vorbelastungen oder Übergewicht.
- Die richtige Technik und eine langsame Steigerung sind entscheidender für den Erfolg als die Wahl der Sportart selbst.
Empfehlung: Führen Sie einen einfachen Selbstcheck („Sport-TÜV“) durch, bevor Sie sich für eine Ausrüstung entscheiden und mit dem Training beginnen.
Die Entscheidung für einen Ausdauersport ist gefallen. Doch schon steht die nächste Frage im Raum: Joggen im Park, Bahnen ziehen im Schwimmbad oder mit dem Rad die Umgebung erkunden? Oftmals reduziert sich die Antwort auf simple Vergleiche von Kalorienverbrauch oder Anschaffungskosten. Man liest Ratschläge wie „einfach langsam anfangen“ oder „auf den eigenen Körper hören“ – doch was bedeutet das konkret, wenn die Knie nach dem ersten Lauf zwicken oder der Rücken beim Radfahren schmerzt?
Diese gut gemeinten, aber oberflächlichen Tipps übersehen den entscheidenden Faktor: die biomechanische Kompatibilität zwischen Ihrem Körper und der Bewegung. Was, wenn die Wahl des richtigen Sports weniger eine Frage der Präferenz und mehr ein bewusster Dialog mit der eigenen Körperstruktur ist? Anstatt Ihren Körper in eine Sportart zu zwingen, geht es darum, diejenige zu finden, die Ihre individuelle Anatomie, eventuelle Vorschäden und Ihren Alltag respektiert und fördert. Es geht darum, ein nachhaltiges System zu etablieren, das nicht auf schnellen Erfolg, sondern auf langfristige Gesundheit und Freude an der Bewegung abzielt.
Dieser Artikel führt Sie durch einen neuen Entscheidungsprozess. Wir werden nicht nur die drei beliebtesten Ausdauersportarten vergleichen, sondern Ihnen beibringen, die Signale Ihres Körpers zu entschlüsseln. Sie lernen, Ihr persönliches „Gelenk-Konto“ zu managen, eine individuelle Trainings-Architektur zu entwerfen und den Sport zu finden, der Sie nicht nach drei Monaten frustriert aufgeben, sondern über Jahre hinweg gesund und motiviert bleiben lässt.
Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Aspekte für Ihre Entscheidung in den folgenden Abschnitten strukturiert. Der Leitfaden hilft Ihnen, die für Sie passende Sportart basierend auf fundierten, körperbewussten Kriterien zu finden.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zu Ihrem idealen Ausdauersport
- Warum Schwimmen 90% weniger Gelenkbelastung als Joggen verursacht?
- Wie Sie Joggen, Schwimmen oder Radfahren verletzungsfrei beginnen?
- Joggen, Schwimmen oder Radfahren: Was passt zu Ihrem Alltag?
- Der Langeweile-Fehler, der 60% nach 3 Monaten aufgeben lässt
- Wann sollten Sie von einer Ausdauersportart zu einer anderen wechseln oder kombinieren?
- Laufen, Schwimmen oder Radfahren: Welcher Einzelsport für Einsteiger?
- Walking, Schwimmen oder Radfahren: Was ist am besten für Ihr Herz?
- Wie Sie als Einzelsportler maximale Freiheit und Fortschritt vereinen?
Warum Schwimmen 90% weniger Gelenkbelastung als Joggen verursacht?
Stellen Sie sich Ihre Gelenkgesundheit wie ein Bankkonto vor: ein Gelenk-Konto. Jede Bewegung ist eine Transaktion. Stossintensive Sportarten wie Joggen heben bei jedem Schritt einen kleinen Betrag ab, während sanfte Aktivitäten eine neutrale oder sogar positive Bilanz aufweisen. Für Einsteiger, Personen mit Übergewicht oder bestehenden Gelenkproblemen ist die Wahl der Sportart daher eine strategische Entscheidung für den Vermögenserhalt dieses Kontos. Hier zeigt sich der fundamentale Unterschied zwischen Schwimmen und Laufen.
Der Grund liegt in einem einfachen physikalischen Prinzip: dem Auftrieb. Im Wasser wird Ihr Körpergewicht quasi neutralisiert. Das bedeutet, dass die Stossbelastung auf Hüfte, Knie und Sprunggelenke drastisch reduziert wird. Eine Studie bestätigt, dass Schwimmen die Gelenke um bis zu 90 Prozent entlastet im Vergleich zu Sportarten an Land. Das macht Schwimmen zur idealen Wahl, wenn Ihr Gelenk-Konto bereits vorbelastet ist. Sie können Herz und Kreislauf trainieren, ohne Ihr „Kapital“ weiter zu schmälern.
Joggen hingegen ist eine High-Impact-Aktivität. Bei jedem Schritt muss Ihr Körper das Zwei- bis Dreifache Ihres Körpergewichts abfedern. Für gesunde Gelenke und mit der richtigen Technik ist das ein exzellenter Trainingsreiz, der sogar die Knochendichte fördern kann. Für einen untrainierten Körper oder bei Vorschäden kann dies jedoch schnell zu einer Überlastung führen. Radfahren positioniert sich in der Mitte: Es ist deutlich gelenkschonender als Laufen, da das Körpergewicht vom Sattel getragen wird, erfordert aber eine korrekte Einstellung von Rad und Sitzposition, um Knie und Rücken nicht fehlzubelasten.
Die Wahl ist also nicht nur eine Frage der Vorliebe, sondern eine bewusste Entscheidung für die Gesundheit Ihrer Gelenke. Schwimmen bietet einen geschützten Raum für den Einstieg, während Laufen eine höhere biomechanische Kompetenz erfordert.
Wie Sie Joggen, Schwimmen oder Radfahren verletzungsfrei beginnen?
Der grösste Fehler beim Start in einen neuen Sport ist nicht die falsche Ausrüstung, sondern ein Mangel an Vorbereitung. Ein verletzungsfreier Beginn basiert auf einer durchdachten Trainings-Architektur, deren Fundament die ehrliche Selbsteinschätzung ist. Bevor Sie auch nur einen Euro für Schuhe oder Badehosen ausgeben, sollten Sie eine Art „Sport-TÜV“ für Ihren Körper durchführen. Dies hilft Ihnen, Schwachstellen zu erkennen und die richtige Intensität für den Start zu finden.
Ein guter Start erfordert zudem die richtige Technik. Falsche Bewegungsmuster sind nicht nur ineffizient, sie führen fast zwangsläufig zu Überlastungsschäden. Während beim Schwimmen die Wasserlage entscheidend ist, kommt es beim Laufen auf die Schrittfrequenz und den Fussaufsatz an und beim Radfahren auf die korrekte Sattelhöhe und -position. Die Investition in einen Anfängerkurs, z. B. bei einer Volkshochschule (VHS) oder einem lokalen Verein, zahlt sich langfristig aus.

Die folgende Checkliste dient als Ihr persönlicher Leitfaden für einen sicheren Einstieg. Sie hilft Ihnen, Ihren aktuellen Stand zu bewerten und die ersten Schritte gezielt zu planen. Sehen Sie es als Bauplan für Ihre persönliche Trainings-Architektur.
Ihr Plan für einen sicheren Start: Der Sport-TÜV
- Beweglichkeitstest: Prüfen Sie Ihre Gelenkbeweglichkeit durch einfache Dehnübungen für Hüfte, Knie und Schultern.
- Schmerzbewertung: Dokumentieren Sie bestehende Beschwerden (z.B. im Knie oder Rücken) auf einer Skala von 1-10, um Veränderungen zu beobachten.
- Stabilitätsübungen: Testen Sie Ihre Rumpfstabilität und Balance, indem Sie versuchen, für 30 Sekunden auf einem Bein zu stehen.
- Professionelle Beratung nutzen: Holen Sie sich für Laufschuhe eine professionelle Laufanalyse in deutschen Sportfachgeschäften.
- Anfängerkurse prüfen: Informieren Sie sich über Kurse bei Volkshochschulen (VHS) oder lokalen Sportvereinen, um die Technik von Grund auf richtig zu lernen.
Beginnen Sie mit zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche und geben Sie Ihrem Körper Zeit zur Anpassung. Langsamer, aber stetiger Fortschritt ist weitaus wertvoller als ein schneller Start, der in einer Verletzungspause endet.
Joggen, Schwimmen oder Radfahren: Was passt zu Ihrem Alltag?
Die beste Sportart ist die, die Sie regelmässig ausüben. Und Regelmässigkeit hängt massgeblich davon ab, wie gut sich die Aktivität in Ihren Alltag integrieren lässt. Faktoren wie Zeitaufwand, Kosten und Zugänglichkeit sind hier oft entscheidender als der reine Kalorienverbrauch. Während Joggen mit minimaler Vorbereitung fast überall möglich ist, erfordern Schwimmen und Radfahren eine genauere Planung.
Beim Thema Kalorienverbrauch gibt es klare Unterschiede: Eine Auswertung zeigt, dass Laufen mit 547 Kilokalorien pro Stunde die meisten Kalorien verbrennt, gefolgt von Schwimmen (436 kcal/h) und Radfahren (412 kcal/h). Doch dieser Wert allein ist trügerisch. Wenn Sie aufgrund von Gelenkschmerzen nur 20 Minuten laufen können, aber problemlos 60 Minuten Rad fahren, ist die Gesamteffizienz beim Radfahren höher. Die Nachhaltigkeit der Ausübung ist der wichtigere Faktor für die Gewichtsregulation als die Effizienz pro Minute.
Auch die finanziellen und zeitlichen Aspekte spielen eine grosse Rolle, wie der folgende Vergleich für den deutschen Kontext zeigt. Die Initialkosten beim Radfahren sind hoch, aber die laufenden Kosten gering. Beim Schwimmen sind es umgekehrt die wiederkehrenden Eintrittsgelder, die ins Gewicht fallen.
| Sportart | Initialkosten | Jährliche Kosten | Zeitaufwand/Training |
|---|---|---|---|
| Joggen | 100-200€ (Laufschuhe) | 200€ (2 Paar Schuhe/Jahr) | 30-60 Min. |
| Schwimmen | 50€ (Ausrüstung) | 400-600€ (Jahreskarte Hallenbad) | 45-90 Min. inkl. Umziehen |
| Radfahren | 500-1500€ (Qualitätsrad) | 100-200€ (Wartung) | 60-120 Min. |
Wägen Sie daher ab: Bietet die Flexibilität des Joggens den grössten Vorteil? Oder ist der meditative Charakter des Schwimmens trotz des höheren Zeitaufwands genau das Richtige für Ihren Stressabbau? Vielleicht ist das Radfahren die perfekte Lösung, um den Arbeitsweg in eine Trainingseinheit zu verwandeln.
Der Langeweile-Fehler, der 60% nach 3 Monaten aufgeben lässt
Die Anfangsmotivation ist hoch, doch nach einigen Wochen schleicht sich oft die Routine ein. Immer die gleiche Laufstrecke, immer die gleichen Bahnen im Schwimmbad. Diese Monotonie ist ein Hauptgrund, warum viele Einsteiger nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Der Schlüssel zur langfristigen Motivation liegt in der Vielfalt und dem Gemeinschaftsgefühl. Hier bietet die deutsche Vereins- und Community-Kultur eine enorme Stärke.
Plattformen und Vereine verwandeln monotones Training in soziale Erlebnisse und Entdeckungsreisen. Das Larasch-Netzwerk für Läufer oder der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) für Radfahrer sind nur zwei Beispiele. Sie bieten nicht nur Anschluss an Gleichgesinnte, sondern auch eine Fülle an Ressourcen wie organisierte Touren oder GPS-Tracks für neue Routen. So wird aus der wöchentlichen Pflicht eine Entdeckungstour auf dem Moselradweg oder ein Trailrun im Schwarzwald.
Fallbeispiel: Motivation durch die deutsche Vereinskultur
Das Larasch-Netzwerk und lokale Lauftreffs zeigen, wie soziale Strukturen die Trainingsmotivation nachhaltig steigern. Anstatt allein zu trainieren, finden Sportler hier passende Gruppen für jedes Leistungsniveau. Gemeinsame Ziele, der Austausch von Tipps und das Erkunden neuer Strecken, die über Apps wie Komoot oder Strava geteilt werden, sorgen für ständige Abwechslung. Jede Trainingseinheit wird so zu einem kleinen Abenteuer und der innere Schweinehund hat gegen die Gruppendynamik kaum eine Chance.
Neben der sozialen Komponente ist auch die sensorische Vielfalt ein starker Motivator. Brechen Sie bewusst mit Ihren Gewohnheiten. Hören Sie beim Laufen einen spannenden Podcast statt Musik. Konzentrieren Sie sich beim Schwimmen voll und ganz auf das Geräusch des Wassers und den Rhythmus Ihrer Atmung. Nutzen Sie das Rad, um gezielt neue Cafés oder Aussichtspunkte in Ihrer Region anzusteuern. Machen Sie das Training selbst zur Belohnung, nicht nur das Ergebnis auf der Waage.
Motivation ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat – sie ist das Ergebnis eines gut gestalteten Umfelds. Bauen Sie sich ein System aus Community, neuen Zielen und abwechslungsreichen Reizen, und die Langeweile hat keine Chance.
Wann sollten Sie von einer Ausdauersportart zu einer anderen wechseln oder kombinieren?
Ein starres Festhalten an einer einzigen Sportart ist selten die beste Strategie für langfristige Fitness und Gesundheit. Der Körper profitiert von unterschiedlichen Reizen, und die Motivation bleibt höher, wenn man flexibel auf Jahreszeiten, Verletzungen oder einfach nur auf die eigene Lust und Laune reagieren kann. Das Konzept des Cross-Trainings – die Kombination verschiedener Sportarten – ist daher nicht nur für Profis relevant, sondern gerade für Einsteiger ein mächtiges Werkzeug.
Ein Wechsel oder eine Kombination ist in mehreren Szenarien sinnvoll. Bei einem Trainingsplateau, wenn also keine Fortschritte mehr spürbar sind, kann eine andere Sportart neue Muskelgruppen fordern und die Leistungsfähigkeit ankurbeln. Bei leichten Überlastungserscheinungen, z. B. im Knie vom Laufen, ist ein temporärer Wechsel zum Schwimmen eine Form der aktiven Erholung, die das Herz-Kreislauf-System weiter trainiert, während die Gelenke heilen. Auch die Jahreszeiten in Deutschland legen eine Kombination nahe: Im Sommer im See schwimmen, im Herbst durch bunte Wälder radeln und im Winter im Hallenbad oder auf dem Laufband trainieren.

Ein strukturierter Wochenplan kann dabei helfen, die verschiedenen Sportarten sinnvoll zu kombinieren, je nach individuellem Ziel. Ob Gewichtsverlust, allgemeine Fitness oder sogar die Vorbereitung auf den ersten Volkstriathlon – die richtige Mischung macht den Unterschied.
| Tag | Gewichtsverlust | Triathlon-Vorbereitung | Allgemeine Fitness |
|---|---|---|---|
| Montag | Schwimmen 45 Min. | Laufen Intervalle | Ruhetag |
| Dienstag | Radfahren 60 Min. | Schwimmen Technik | Joggen 30 Min. |
| Mittwoch | Joggen 30 Min. | Radfahren 90 Min. | Schwimmen 45 Min. |
| Donnerstag | Ruhetag | Laufen Tempo | Krafttraining |
| Freitag | Schwimmen 30 Min. | Ruhetag | Radfahren 45 Min. |
| Samstag | Radfahren 90 Min. | Koppeltraining | Aktive Erholung |
| Sonntag | Langer Lauf 60 Min. | Lange Radausfahrt | Wandern/Ruhe |
Sehen Sie Laufen, Schwimmen und Radfahren nicht als konkurrierende, sondern als sich ergänzende Werkzeuge in Ihrem Fitness-Baukasten. Der kluge Einsatz dieser Werkzeuge ermöglicht Ihnen, ein Leben lang aktiv und gesund zu bleiben.
Laufen, Schwimmen oder Radfahren: Welcher Einzelsport für Einsteiger?
Die schiere Menge an Informationen und Ratschlägen kann für Einsteiger lähmend sein. Die Angst, die „falsche“ Entscheidung zu treffen oder etwas falsch zu machen, führt oft dazu, dass man gar nicht erst anfängt. An diesem Punkt ist es wichtig, den Druck herauszunehmen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es geht nicht darum, von Anfang an den perfekten Sport zu finden, sondern darum, überhaupt in Bewegung zu kommen.
Der Sporttherapeut Stephan Müller, Vorsitzender des Bundesverbands Personal Training, bringt es auf den Punkt. In einem Interview mit National Geographic betont er die Wichtigkeit des Anfangens selbst:
Wenn sich jemand wenig bewegt, ist zunächst hauptsächlich, dass er überhaupt etwas macht. Ein bisschen Schwimmen ist immer sinnvoll und hilft auch immer.
– Stephan Müller, National Geographic
Diese Aussage unterstreicht ein zentrales Prinzip für Anfänger: Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Wählen Sie die Sportart, die Ihnen die geringsten Hürden in den Weg legt. Ist das Schwimmbad direkt um die Ecke? Perfekt. Haben Sie einen schönen Park vor der Tür? Dann sind Laufschuhe die einfachste Investition. Haben Sie bereits ein Fahrrad im Keller? Pumpen Sie die Reifen auf und fahren Sie los. Der erste Schritt im Bewegungs-Dialog mit Ihrem Körper ist, überhaupt das Gespräch zu beginnen.
Um die Einstiegshürde weiter zu senken, testen Sie die Sportarten spielerisch und ohne grosse finanzielle Verpflichtung. Nutzen Sie Tageskarten für Schwimmbäder, Leihfahrräder für eine Wochenendtour oder nehmen Sie an einem kostenlosen Probetraining bei einem lokalen Lauftreff teil. Finden Sie heraus, was Ihnen nicht nur guttut, sondern auch Spass macht.
Die perfekte Sportart für Sie existiert vielleicht nicht von Anfang an – sie entwickelt sich aus der Erfahrung, die Sie machen, wenn Sie einfach beginnen, sich zu bewegen.
Walking, Schwimmen oder Radfahren: Was ist am besten für Ihr Herz?
Wenn das primäre Ziel die Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems ist, rückt neben der Gelenkschonung die Effektivität des Trainings in den Vordergrund. Alle drei Sportarten sind exzellente Kardio-Übungen. Es gibt jedoch eine oft unterschätzte Disziplin, die sich in Deutschland zu einer wahren Spezialität für Herzgesundheit entwickelt hat: Nordic Walking. Es kombiniert die Zugänglichkeit des Gehens mit einer hohen Effektivität, die fast an die des Joggens heranreicht, aber ohne die hohe Stossbelastung.
Durch den aktiven Einsatz der Stöcke werden nicht nur die Beine, sondern auch der Oberkörper und die Arme trainiert. Das aktiviert rund 90% der gesamten Körpermuskulatur und treibt den Puls in einen optimalen Bereich für das Herz-Kreislauf-Training. Deutschland bietet hierfür ideale Bedingungen mit einem dichten Netz an beschilderten Nordic-Walking-Parks und zertifizierten Trainern, zum Beispiel nach den Standards des VDNOWAS (Verband der Nordic Walking Schulen).
Fallbeispiel: Nordic Walking als Krankenkassen-geförderte Spezialität
Die hohe gesundheitliche Relevanz des Nordic Walking wird in Deutschland auch von den Krankenkassen anerkannt. Viele Kurse, die von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) akkreditiert sind, werden bezuschusst. Das bedeutet, dass Teilnehmer von Bonusprogrammen profitieren und einen Teil der Kursgebühren erstattet bekommen. Dies senkt die Einstiegshürde und unterstreicht den Stellenwert dieser Sportart als hocheffektives, gelenkschonendes Herz-Kreislauf-Training.
Die finanzielle Unterstützung ist ein klares Signal. Laut einer Erhebung werden zertifizierte Präventionskurse von deutschen Krankenkassen oft mit 75 bis 100 Euro bezuschusst. Für Personen, denen Joggen zu intensiv und Schwimmen zu aufwendig ist, stellt Nordic Walking somit die perfekte Balance aus Effektivität, Gelenkschonung und geringer Einstiegshürde dar – und ist damit eine der besten Optionen für die Herzgesundheit.
Während Schwimmen und Radfahren ebenfalls hervorragend für das Herz sind, bietet Nordic Walking gerade für Einsteiger mit Respekt vor Gelenkbelastung einen wissenschaftlich fundierten und in Deutschland gut unterstützten Weg zu einem stärkeren Herzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Gelenkgesundheit vor Kalorien: Schwimmen schont die Gelenke um bis zu 90 % und ist damit die sicherste Wahl bei Vorbelastungen.
- Technik ist entscheidend: Ein guter Start mit korrekter Form, idealerweise in einem Anfängerkurs, vermeidet Verletzungen und sichert langfristigen Erfolg.
- Motivation durch Vielfalt: Deutsche Vereine, Lauftreffs und abwechslungsreiche Routen mit Apps wie Komoot sind der beste Schutz vor Langeweile.
Wie Sie als Einzelsportler maximale Freiheit und Fortschritt vereinen?
Der Reiz des Einzelsports liegt in der Freiheit: keine festen Termine, keine Abhängigkeit von anderen. Doch diese Freiheit birgt auch die Gefahr der Stagnation. Ohne einen Trainer oder Teamkollegen, der einen antreibt, ist es schwer, Fortschritte zu erzielen und motiviert zu bleiben. Der Schlüssel liegt darin, sich selbst zu coachen, indem man zwei Prinzipien vereint: strukturierte Progression und bewusste Freiheit.
Strukturierte Progression bedeutet, das Training gezielt und messbar zu steigern. Die bewährte 10%-Regel ist hier ein einfaches, aber mächtiges Werkzeug: Erhöhen Sie Ihren wöchentlichen Trainingsumfang (Distanz oder Zeit) um nicht mehr als 10%. Dies gibt Ihrem Körper genug Zeit zur Anpassung und minimiert das Verletzungsrisiko. Kostenlose Apps wie Strava oder Garmin Connect helfen Ihnen dabei, diese Fortschritte objektiv zu verfolgen und Erfolge sichtbar zu machen, was ein enormer Motivationsfaktor ist.
Bewusste Freiheit bedeutet, den Sport nicht als reine Pflichterfüllung zu sehen, sondern als Werkzeug zur Erkundung und mentalen Erholung. Nutzen Sie die Vielfalt der deutschen Landschaften: Verwandeln Sie Ihr Training in eine Entdeckungstour, sei es beim Trailrunning im Harz, einem Strandlauf an der Ostsee oder einer Radtour entlang der Mosel. Planen Sie sich jährlich ein oder zwei soziale Events ein, wie die Teilnahme an einem lokalen Volkslauf oder einem der vielen kostenlosen Parkruns, um die Energie der Gemeinschaft zu spüren, ohne die Verpflichtung eines Vereins.
Indem Sie Struktur durch einfache Regeln wie die 10%-Regel schaffen und gleichzeitig die Freiheit nutzen, um Abwechslung und Freude in Ihr Training zu bringen, vereinen Sie das Beste aus beiden Welten. So wird aus dem einsamen Kampf gegen den inneren Schweinehund ein selbstbestimmter Weg zu nachhaltiger Fitness.
Häufige Fragen zur Wahl des richtigen Ausdauersports
Welches Budget brauche ich für den Einstieg?
Joggen ist am günstigsten: Planen Sie 100-200 € für gute, im Fachgeschäft beratene Laufschuhe ein. Für das Schwimmen benötigen Sie eine Basis-Ausrüstung für ca. 50 €, hinzu kommen jedoch die laufenden Eintrittskosten für das Schwimmbad. Radfahren hat die höchsten Initialkosten mit 500-1.500 € für ein solides Einsteiger-Rad; hier können aber auch Dienstrad-Leasing-Modelle eine attraktive Option sein.
Wie überwinde ich die Angst vor Blicken im Schwimmbad?
Dieses Gefühl kennen viele Anfänger. Ein guter Tipp ist, Nebenzeiten zu wählen, z.B. am Vormittag oder späteren Abend, wenn die Bäder leerer sind. Oft hilft es auch, in kleineren, weniger überlaufenen Schwimmbädern zu starten. Alternativ können Sie gezielt nach reinen Anfängergruppen bei der VHS oder lokalen Schwimmvereinen suchen, wo alle auf dem gleichen Niveau sind.
Wie finde ich heraus, welcher Sport mir Spass macht?
Durch spielerisches Ausprobieren ohne Druck. Binden Sie sich nicht sofort an eine teure Ausrüstung oder Mitgliedschaft. Nutzen Sie die Flexibilität: Mieten Sie Leihfahrräder für eine Woche, kaufen Sie Tageskarten für verschiedene Schwimmbäder oder fragen Sie bei lokalen Lauftreffs nach kostenlosen Probetrainings. So spüren Sie am besten, welche Bewegungsform Ihnen wirklich Freude bereitet.