
Herzschutz ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis eines sicheren, gut geplanten Weges, der speziell auf Risikopatienten in Deutschland zugeschnitten ist.
- Regelmäßiges Ausdauertraining (ca. 150 Minuten/Woche) ist die Basis und kann das Risiko für Herzerkrankungen signifikant senken.
- Der Einstieg muss ärztlich begleitet sein (Kardio-Check, Belastungs-EKG), um Überlastung zu vermeiden und Sicherheit zu garantieren.
Empfehlung: Nutzen Sie die Strukturen des deutschen Gesundheitssystems wie den „Check-Up 35“ und ärztlich betreute Herzsportgruppen als Ihren persönlichen und sicheren Präventionspfad.
Die Sorge um die eigene Herzgesundheit, vielleicht verstärkt durch familiäre Vorbelastungen oder erste Warnsignale wie einen erhöhten Blutdruck, ist für viele Menschen ab 40 ein ständiger Begleiter. Man hört und liest den gut gemeinten Rat „mehr bewegen“ an jeder Ecke. Doch für jemanden, der sich als Risikopatient fühlt, wirft dieser Ratschlag mehr Fragen auf, als er beantwortet: Welcher Sport ist sicher? Wie viel ist zu viel? Und was, wenn ich meinem Herzen mehr schade als nütze?
Die üblichen Empfehlungen bleiben oft an der Oberfläche und lassen Sie mit Ihrer Unsicherheit allein. Sie beschreiben die Vorteile von Bewegung, ohne den entscheidenden ersten Schritt zu beleuchten: den sicheren, ärztlich begleiteten Einstieg. Doch was wäre, wenn der Schlüssel zu einem langlebigen, starken Herzen nicht nur in der Bewegung selbst liegt, sondern in einem strukturierten, auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Präventionspfad? Ein Weg, der die hervorragenden Möglichkeiten des deutschen Gesundheitssystems nutzt, um Ihnen maximale Sicherheit und Effektivität zu bieten.
Dieser Leitfaden ist mehr als eine Liste von Übungen. Er ist Ihr persönlicher Kardiologe an Ihrer Seite, der Sie von der wissenschaftlichen Grundlage des Herzschutzes über den sicheren Trainingseinstieg bis hin zur optimalen Trainingsgestaltung führt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die richtigen Sportarten auswählen, tödliche Fehler vermeiden und Ihr Training so gestalten, dass Sie nicht nur Krankheiten vorbeugen, sondern Ihre Lebenserwartung und -qualität aktiv verlängern. Es ist Ihr Plan für ein starkes Herz.
Dieser Artikel führt Sie schrittweise durch alle wichtigen Aspekte, um Ihr Herz durch Training nachhaltig zu schützen. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen die Themen, die wir gemeinsam durchgehen werden, um Ihnen einen klaren und sicheren Weg aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser für ein gesundes Herz
- Warum 150 Minuten Ausdauertraining Ihr Herzinfarktrisiko halbieren?
- Wie Sie als Herz-Risikopatient sicher mit Training beginnen?
- Walking, Schwimmen oder Radfahren: Was ist am besten für Ihr Herz?
- Der tödliche Fehler von Herz-Risikopatienten beim Sport
- Wann sollten Sie vor Trainingsbeginn einen Kardio-Check machen?
- Wie Sie ab 40 optimal für Langlebigkeit trainieren?
- Ausdauer, Kraft oder Flexibilität: Was verhindert die meisten Krankheiten?
- Wie Sie durch Ausdauertraining Ihre Lebenserwartung um 7 Jahre erhöhen?
Warum 150 Minuten Ausdauertraining Ihr Herzinfarktrisiko halbieren?
Die Vorstellung, das Herzinfarktrisiko quasi zu halbieren, mag ambitioniert klingen, doch die wissenschaftliche Evidenz ist überwältigend. Das Herz ist ein Muskel, und wie jeder andere Muskel wird es durch Training stärker, effizienter und widerstandsfähiger. Regelmäßiges Ausdauertraining ist der wirksamste nicht-medikamentöse Eingriff, um das Herz-Kreislauf-System zu schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt nicht ohne Grund 150 bis 300 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche. Diese Empfehlung basiert auf jahrzehntelanger Forschung, die zeigt, wie Bewegung systemisch wirkt.
Durch Ausdauersport wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen verbessert sich die Fähigkeit des Herzens, Blut durch den Körper zu pumpen. Es muss bei gleicher Leistung weniger oft schlagen, der Ruhepuls sinkt – ein klares Zeichen für ein effizienteres Herz. Gleichzeitig werden die Blutgefäße elastischer, was den Blutdruck senkt und die Gefahr von Ablagerungen (Arteriosklerose) verringert. Zudem optimiert Bewegung den Stoffwechsel: Sie hilft bei der Regulierung des Blutzuckers, senkt schädliches LDL-Cholesterin und erhöht das schützende HDL-Cholesterin. Diese Effekte summieren sich zu einem starken Schutzschild für Ihr Herz. Umfassende Studien der Herzrehabilitation zeigen eine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität um 25-30 % bei Patienten, die ein strukturiertes Trainingsprogramm absolvieren. Dies unterstreicht, dass es nie zu spät ist, anzufangen.
Wie Sie als Herz-Risikopatient sicher mit Training beginnen?
Für Menschen mit bestehenden Risikofaktoren oder einer familiären Vorbelastung ist die größte Hürde oft die Angst, etwas falsch zu machen. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen und vor allem sicheren Trainingseinstieg liegt in einem strukturierten Vorgehen, das in Deutschland durch das Gesundheitssystem hervorragend unterstützt wird. Vergessen Sie den Gedanken, von null auf hundert starten zu müssen. Ihr persönlicher Präventionspfad beginnt mit einem Gespräch.
Der erste Schritt ist immer der Gang zum Hausarzt. Er kennt Ihre Krankengeschichte und kann eine erste Einschätzung geben. In der Regel wird er Sie an einen Kardiologen überweisen, der ein Belastungs-EKG durchführt. Diese Untersuchung ist entscheidend: Sie zeigt, wie Ihr Herz unter Anstrengung reagiert, und definiert Ihren sicheren, individuellen Trainingspulsbereich. Erst mit dieser ärztlichen Freigabe haben Sie grünes Licht. Eine besonders wertvolle und sichere Möglichkeit für den Einstieg bieten die in Deutschland etablierten Herzsportgruppen. Hier trainieren Sie unter ärztlicher Aufsicht und mit speziell ausgebildeten Übungsleitern. In Deutschland gibt es rund 6.000 dieser Herzsportgruppen mit etwa 120.000 Teilnehmern, organisiert von Vereinen und der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR). Die Teilnahme wird ärztlich verordnet (über das Formular 56) und die Kosten von den Krankenkassen für bis zu 90 Einheiten übernommen. Dies schafft einen geschützten Rahmen, in dem Sie Vertrauen in Ihren Körper fassen.
Dieses gemeinschaftliche Training in einer Gruppe von Gleichgesinnten bietet nicht nur Sicherheit, sondern auch die wichtige soziale Unterstützung und Motivation, um langfristig dabeizubleiben. Die Atmosphäre ist nicht auf Leistung, sondern auf Wohlbefinden und die schrittweise Verbesserung der eigenen Belastbarkeit ausgerichtet.

Wie Sie auf dem Bild sehen, steht das gemeinsame, moderate und freudvolle Bewegen im Vordergrund. Der Leistungsdruck entfällt, während die medizinische Sicherheit stets gewährleistet ist. Es ist der ideale Startpunkt auf Ihrem Weg zu einem stärkeren Herzen.
Walking, Schwimmen oder Radfahren: Was ist am besten für Ihr Herz?
Nachdem der sichere Rahmen geschaffen ist, stellt sich die Frage nach der richtigen Sportart. Die gute Nachricht: Die „eine“ beste Sportart gibt es nicht. Die beste Aktivität ist die, die Ihnen Freude bereitet, die zu Ihren körperlichen Voraussetzungen passt und die Sie regelmäßig ausüben können. Für die Herzgesundheit sind vor allem zyklische Ausdauersportarten ideal, die große Muskelgruppen beanspruchen. Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren sind hierbei die Klassiker – und das aus gutem Grund.
Jede dieser Sportarten hat spezifische Vorteile, die sie für unterschiedliche Bedürfnisse prädestinieren. Die Wahl hängt von Faktoren wie Gelenkgesundheit, Fitnesslevel und persönlichen Vorlieben ab. Glücklicherweise bietet die Infrastruktur in Deutschland für alle drei Sportarten exzellente Bedingungen, von gut ausgebauten Radwegenetzen über unzählige Park- und Waldwege bis hin zu einer hohen Dichte an Hallen- und Freibädern. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt zudem, das Training saisonal anzupassen, um die Motivation hochzuhalten. Im Winter bieten sich Skilanglauf in den deutschen Mittelgebirgen oder Indoor-Cycling an, während im Sommer Schwimmen in Badeseen oder Wandern im Schwarzwald ideale Alternativen sind. Diese Abwechslung kann die Leistungsfähigkeit nachweislich steigern.
Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick, um die passende Sportart für Ihren persönlichen Präventionspfad zu finden, basierend auf einer vergleichenden Analyse von Herzexperten.
| Sportart | Vorteile fürs Herz | Ideal bei | Deutsche Infrastruktur |
|---|---|---|---|
| Nordic Walking | Ganzkörpertraining, schont Gelenke | Einsteiger, Übergewicht | Waldwege, Parks überall verfügbar |
| Schwimmen | Optimale Herzbelastung ohne Gelenkstress | Arthrose, Bluthochdruck | Hallenbäder ganzjährig nutzbar |
| Radfahren | Hohe Kalorienverbrennung, stärkt Beinmuskulatur | Mittlere Fitness, Gewichtsreduktion | Ausgebautes Radwegenetz deutschlandweit |
| Rudern | Kombination Kraft + Ausdauer, maximale VO2max-Steigerung | Fortgeschrittene ohne Rückenprobleme | Rudervereine an Flüssen und Seen |
Der tödliche Fehler von Herz-Risikopatienten beim Sport
Während moderates Training ein wahrer Segen für das Herz ist, kann das Gegenteil verheerende Folgen haben. Der häufigste und gefährlichste Fehler von motivierten (Wieder-)Einsteigern ist das „Zu viel, zu schnell“. Ein übertriebener Ehrgeiz, der die Signale des eigenen Körpers ignoriert, kann das Herz-Kreislauf-System überlasten und im schlimmsten Fall ein kardiales Ereignis provozieren. Es geht nicht darum, Rekorde zu brechen, sondern um eine nachhaltige, systemische Stärkung. Die richtige Belastungssteuerung ist daher das A und O.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass „mehr“ immer „besser“ ist. Interessanterweise kann exzessives Ausdauertraining über viele Jahre das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) sogar begünstigen. Wie Professor Timm Bauer, Chefarzt der Kardiologie am Sana Klinikum Offenbach, in einer Stellungnahme zu den Risiken von Extremsport betont, gilt dies vor allem für Männer: „Wir wissen aus der Forschung, dass ein sehr umfangreiches Ausdauertraining über viele Jahre eine KHK begünstigen kann, interessanterweise gilt das nur für Männer“. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer vernünftigen Dosierung. Mehr als 300 Minuten intensive Belastung pro Woche können für Risikopatienten bereits schädlich sein. Warnsignale wie Schlafstörungen, ein unerklärlich erhöhter Ruhepuls oder anhaltende Erschöpfung müssen absolut ernst genommen werden und erfordern eine Trainingspause.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Fehleinschätzung der eigenen Fitness und die alleinige Verlassung auf Consumer-Wearables. Eine Smartwatch kann den Puls messen, aber sie ersetzt niemals ein medizinisches Belastungs-EKG zur Bestimmung sicherer Trainingszonen. Handeln Sie stets nach ärztlicher Empfehlung, nicht nach den Algorithmen einer App.
Ihr Plan zur Fehlervermeidung: Kritische Punkte beim Herztraining
- Warnsignale erkennen: Pausieren Sie Ihr Training sofort bei Schlafstörungen, Schwindel, Brustschmerzen oder einem plötzlich erhöhten Ruhepuls.
- Daten richtig einordnen: Nutzen Sie Ihre Smartwatch zur Orientierung, aber verlassen Sie sich für die Belastungssteuerung ausschließlich auf die Vorgaben Ihres Arztes aus dem Belastungs-EKG.
- Notfallplan erstellen: Führen Sie beim Training im Freien immer ein Handy mit und installieren Sie die offizielle Notruf-App „nora“, die Ihren Standort direkt an die Leitstelle übermittelt.
- Übertraining vermeiden: Halten Sie sich strikt an die empfohlenen 150-300 Minuten moderate Belastung pro Woche. Qualität geht vor Quantität.
- Stress nicht „wegtrainieren“: Nutzen Sie Sport nicht als alleiniges Ventil für extremen Stress. Exzessives Training unter psychischer Anspannung erhöht das Risiko zusätzlich.
Wann sollten Sie vor Trainingsbeginn einen Kardio-Check machen?
Die Entscheidung für ein aktiveres Leben ist getroffen, doch bevor Sie die Laufschuhe schnüren, ist ein Moment der Besinnung entscheidend: Brauche ich einen ärztlichen Check? Als präventiv denkender Kardiologe lautet meine Antwort für Risikogruppen unmissverständlich: Ja. Ein Kardio-Check ist keine Hürde, sondern Ihr Sicherheitsgurt für den Einstieg in ein herzgesundes Leben. Er dient dazu, unerkannte Probleme aufzudecken und Ihr Training von Anfang an auf eine sichere Basis zu stellen.
Die Frage ist also nicht „ob“, sondern „wer“ diesen Check unbedingt durchführen lassen sollte. Bestimmte Risikofaktoren machen eine vorherige Untersuchung unabdingbar. Dazu gehören nicht nur offensichtliche Faktoren wie ein bekannt hoher Blutdruck oder Diabetes, sondern auch das Alter, der Lebensstil und die Familiengeschichte. In Deutschland ist die Vorsorge gut geregelt: Der „Check-Up 35“, der ab 35 Jahren alle drei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, ist eine gute Basis. Er umfasst bereits Blutuntersuchungen und ein Ruhe-EKG. Bei konkreten Risikofaktoren oder dem geplanten Einstieg in intensiveren Sport wird der Hausarzt jedoch zu weiterführenden Untersuchungen wie einem Belastungs-EKG raten, das bei medizinischer Notwendigkeit ebenfalls Kassenleistung ist.
Die folgende Liste hilft Ihnen, Ihr persönliches Risiko einzuschätzen. Wenn einer oder mehrere dieser Punkte auf Sie zutreffen, ist der Gang zum Arzt vor Aufnahme des Trainings ein absolutes Muss:
- Alter über 40 Jahre, insbesondere bei einem kompletten Neueinstieg in den Sport.
- Raucher oder Personen, die in den letzten 5 Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben.
- Familiäre Vorbelastung, d.h. Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod bei nahen Verwandten (Eltern, Geschwister) vor dem 60. Lebensjahr.
- Bestehender Bluthochdruck, auch wenn er medikamentös gut eingestellt ist.
- Diabetes Mellitus Typ 1 oder Typ 2.
- Starkes Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30.
- Eine längere Sportpause von mehr als zwei Jahren.
Wie Sie ab 40 optimal für Langlebigkeit trainieren?
Ab dem 40. Lebensjahr verändert sich der Körper. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, die Muskelmasse nimmt tendenziell ab (Sarkopenie) und die Regenerationsfähigkeit lässt nach. Das Training muss sich diesen Gegebenheiten anpassen. Es geht nicht mehr primär um Höchstleistung, sondern um den Erhalt von Funktionalität, die Prävention von Krankheiten und die Maximierung gesunder Lebensjahre. Ein optimales Training für Langlebigkeit ist daher kein reines Ausdauertraining, sondern ein intelligenter Mix aus verschiedenen Komponenten.
Die Basis bleibt das herzschützende Ausdauertraining. Es ist der Motor für ein gesundes Herz-Kreislauf-System. Doch es wird entscheidend ergänzt durch gezieltes Krafttraining. Starke Muskeln sind nicht nur für eine gute Haltung und die Entlastung der Gelenke wichtig. Sie agieren auch als größtes Stoffwechselorgan des Körpers, verbessern die Insulinsensitivität und helfen so, Diabetes Typ 2 vorzubeugen. Der Erhalt von Muskelmasse ist direkt mit Selbstständigkeit und einer geringeren Sturzgefahr im Alter verbunden. Die dritte Säule ist die Mobilität und Flexibilität. Sie sichert die Bewegungsreichweite der Gelenke und beugt Verspannungen und Verletzungen vor.
Die Deutsche Herzstiftung gibt hier eine klare Empfehlung für die optimale Verteilung des Trainingspensums. Stellen Sie sich Ihr wöchentliches Training wie einen Kuchen vor, der aufgeteilt wird: Der größte Teil sollte Ausdauer sein, ergänzt durch einen substanziellen Anteil Kraft und einen kleineren, aber wichtigen Teil für die Beweglichkeit. Konkret empfiehlt sich eine Aufteilung von etwa 60 % Ausdauer, 30 % Kraft und 10 % Mobilität. Bei einem Gesamtpensum von 150 Minuten pro Woche wären das 90 Minuten zügiges Gehen oder Radfahren, verteilt auf 3 Tage, ergänzt durch zwei 25-minütige Krafttrainingseinheiten und tägliche 5-minütige Dehnübungen. Dieser ausgewogene Ansatz ist der Schlüssel zu einem resilienten und langlebigen Körper.
Ausdauer, Kraft oder Flexibilität: Was verhindert die meisten Krankheiten?
In der Diskussion um das beste Training zur Krankheitsprävention wird oft die Frage nach der Priorität gestellt: Sollte ich mich auf Ausdauer, Kraft oder doch Beweglichkeit konzentrieren? Die Antwort aus kardiologischer und präventivmedizinischer Sicht ist eindeutig: Ausdauertraining ist die unangefochtene Nummer eins, wenn es um die direkte Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht. Es ist die fundamentalste Maßnahme zur Stärkung des Herzens. Wie Prof. Dr. Martin Halle, Leiter des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München, treffend zusammenfasst: „Nur wenige Minuten Training am Tag halten uns und vor allem das Herz fit und biologisch jung. Schon 15 Minuten zügiges Gehen macht 70 bis 80 Prozent der Herzgesundheit aus.“ Diese Aussage verdeutlicht die enorme Hebelwirkung von bereits geringen Dosen an Bewegung.
Doch die moderne Präventionsmedizin blickt über den Tellerrand des reinen Ausdauersports hinaus. Während Ausdauertraining das Herz-Kreislauf-System direkt schützt, wirkt Krafttraining vor allem auf den Stoffwechsel – und verhindert damit Krankheiten, die das Herz sekundär schädigen, wie Diabetes Typ 2 und das metabolische Syndrom. Die wahre Magie liegt daher in der Synergie, der intelligenten Kombination beider Trainingsformen. Ein „Hybridtraining“ aus Ausdauer und Kraft ist jeder Einzelmethode überlegen.
Dies belegt eindrucksvoll eine Metaanalyse deutscher Rehabilitationszentren. Sie zeigte, dass die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining den Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) bei Diabetikern um 0,73 % senken konnte, während reines Ausdauertraining nur eine Reduktion um 0,57 % erreichte. Das Hybridmodell verbessert die Insulinsensitivität effektiver und wirkt dem gesamten Komplex des metabolischen Syndroms (Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung) potenter entgegen. Flexibilitätstraining rundet das Programm ab, indem es die Bewegungsfreiheit erhält und Verletzungen vorbeugt, was wiederum die Voraussetzung für kontinuierliches Ausdauer- und Krafttraining ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Zielmarke setzen: 150 Minuten moderates Ausdauertraining pro Woche sind die wissenschaftlich fundierte Basis für einen effektiven Herzschutz.
- Sicherheit zuerst: Ein ärztlicher Kardio-Check mit Belastungs-EKG ist für Risikopatienten vor dem Trainingsstart unerlässlich und schafft die Grundlage für eine sichere Belastungssteuerung.
- Intelligenter Mix: Die Kombination aus Ausdauertraining (ca. 60%) und Krafttraining (ca. 30%) ist wirksamer zur Prävention von Zivilisationskrankheiten als jede Methode für sich allein.
Wie Sie durch Ausdauertraining Ihre Lebenserwartung um 7 Jahre erhöhen?
Die Vorstellung, durch Sport die eigene Lebenserwartung um mehrere Jahre zu verlängern, klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Doch zahlreiche Langzeitstudien belegen diesen Effekt eindrucksvoll. Beim Ausdauertraining geht es nicht nur um die Prävention von Krankheiten, sondern um eine tiefgreifende biologische Verjüngung auf zellulärer Ebene. Regelmäßige Bewegung ist einer der stärksten bekannten Faktoren, um den Alterungsprozess zu verlangsamen und die Anzahl gesunder Lebensjahre aktiv zu verlängern.
Ein zentraler Mechanismus ist die sogenannte „Kompression der Morbidität“. Das bedeutet, dass die Phase von Krankheit und Gebrechlichkeit am Ende des Lebens signifikant verkürzt wird. Eine Studie der Universität Heidelberg hat gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität selbst im Seniorenalter die Bildung neuer Herzmuskelzellen anregen kann. Das Herz „verjüngt“ sich quasi selbst und bleibt leistungsfähiger. Aktive Senioren können so ihre gesunden Lebensjahre verlängern und bleiben mobil für Aktivitäten, die Lebensqualität bedeuten – wie Radtouren entlang der Mosel oder Wanderungen im Schwarzwald. Für Patienten nach einem Herzinfarkt sind die Daten noch drastischer: Eine große Studie zur täglichen Bewegung zeigt eine Reduktion des Sterberisikos um bis zu 50 % innerhalb von vier Jahren nach dem Ereignis, wenn konsequent trainiert wird.
Der oft genannte Wert von bis zu sieben zusätzlichen Lebensjahren entstammt der berühmten Kopenhagen-Herz-Studie. Sie zeigte, dass regelmäßiges Joggen in moderatem Tempo die Lebenserwartung von Männern um 6,2 Jahre und von Frauen um 5,6 Jahre verlängern kann. Wichtiger als die exakte Zahl ist jedoch die Botschaft: Jede Minute moderater Bewegung ist eine Investition in ein längeres und vor allem gesünderes Leben. Es ist die wirksamste Anti-Aging-Strategie, die uns zur Verfügung steht.
Ihr Weg zu einem gesunden Herzen beginnt nicht mit einem Marathon, sondern mit einer Entscheidung und dem ersten, sicheren Schritt. Der wichtigste davon ist das Gespräch mit Ihrem Hausarzt. Er ist Ihr erster und wichtigster Partner auf Ihrem persönlichen Präventionspfad und kann Sie an die richtigen Stellen im deutschen Gesundheitssystem verweisen, um Ihnen einen optimalen und sicheren Start zu ermöglichen.
Häufige Fragen zum Kardio-Check in Deutschland
Was ist der Check-Up 35 und wann zahlt die Krankenkasse?
Der Check-Up 35 ist eine Vorsorgeuntersuchung, die für gesetzlich Versicherte ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre von den Krankenkassen vollständig übernommen wird. Er dient der Früherkennung von u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes und umfasst typischerweise eine körperliche Untersuchung, Blut- und Urinproben sowie ein Ruhe-EKG.
Welche kardiologischen Untersuchungen sind IGeL-Leistungen?
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind Untersuchungen, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören und vom Patienten selbst bezahlt werden müssen, sofern keine medizinische Notwendigkeit besteht. Dazu gehören oft ein Belastungs-EKG oder ein Herzultraschall (Echokardiographie) zur reinen Vorsorge bei beschwerdefreien Patienten ohne spezifische Risikofaktoren.
Hausarzt, Sportmediziner oder Kardiologe – wer ist zuständig?
Der Hausarzt ist immer die erste und wichtigste Anlaufstelle. Er koordiniert die Diagnostik und überweist bei Bedarf an einen Facharzt. Ein Kardiologe wird bei Verdacht auf eine Herzerkrankung oder bei Hochrisikopatienten hinzugezogen. Ein Sportmediziner ist der richtige Ansprechpartner für ambitionierte Sportler oder für eine detaillierte Leistungsdiagnostik, die über die reine Sicherheitsüberprüfung hinausgeht.