Veröffentlicht am Mai 16, 2024

Zusammenfassend:

  • Regelmäßiges Ausdauertraining (150 Minuten/Woche) ist der wirksamste Schutzschild für Ihr Herz.
  • Als Risikopatient in Deutschland ist der Einstieg über eine ärztliche Verordnung und betreute Herzsportgruppen der sicherste Weg.
  • Ein plötzlicher Trainingsabbruch ohne Cool-down ist ein gravierender Fehler; die richtige Belastungssteuerung ist entscheidend.
  • Die Kombination aus Ausdauer-, Kraft- und Flexibilitätstraining bietet den umfassendsten Schutz vor Zivilisationskrankheiten.

Die Nachricht eines erhöhten Blutdrucks, ein familiärer Vorfall oder einfach das Bewusstsein für die eigene Gesundheit ab 40 – viele Menschen in Deutschland kennen die Sorge um ihr Herz-Kreislauf-System. Es ist ein stiller Begleiter, der uns dazu mahnt, aktiv zu werden. Oft lautet der pauschale Ratschlag: „Bewegen Sie sich einfach mehr.“ Doch für jemanden mit Risikofaktoren ist diese Anweisung nicht nur vage, sondern potenziell riskant. Die Angst, das Herz durch falsches Training zu überlasten, ist real und berechtigt. Viele fragen sich: Wie viel ist zu viel? Welche Sportart ist die richtige? Und was, wenn ich meinem Körper mehr schade als nütze?

Als präventiv tätiger Kardiologe kann ich Sie beruhigen: Die moderne Sportmedizin bietet heute weit mehr als allgemeine Empfehlungen. Die wahre Lösung liegt nicht in maximaler Verausgabung, sondern in einer intelligenten und präzise gesteuerten Trainingsstrategie. Der Schlüssel ist die sogenannte Belastungssteuerung – ein systematischer Ansatz, der darauf abzielt, das Herz gezielt zu stärken und das gesamte System zu entlasten, anstatt es an seine Grenzen zu bringen. Es geht darum, ein persönliches „Trainingsfenster“ zu finden, in dem der Körper optimal gefordert, aber niemals überfordert wird. Dieses Vorgehen schützt nicht nur, es heilt und regeneriert.

Dieser Leitfaden ist Ihr ärztlicher Begleiter auf diesem Weg. Wir werden uns von den pauschalen Ratschlägen lösen und uns auf die evidenzbasierten Methoden konzentrieren, die speziell für herzgesundheitsbewusste Menschen in Deutschland relevant sind. Wir klären, warum kontrollierte Bewegung so wirksam ist, wie Sie den absolut sicheren Einstieg finden, welche Fehler es unbedingt zu vermeiden gilt und wie Sie die verschiedenen Trainingsformen zu einem Schutzschild für Ihre Langlebigkeit kombinieren. Gemeinsam bauen wir ein Fundament für ein langes und vitales Leben.

Dieser Artikel führt Sie schrittweise durch die wichtigsten Aspekte eines herzschützenden Trainingsprogramms. Die folgende Übersicht gibt Ihnen einen klaren Einblick in die Themen, die wir gemeinsam erörtern werden, um Ihre Herzgesundheit auf eine solide, wissenschaftlich fundierte Basis zu stellen.

Warum 150 Minuten Ausdauertraining Ihr Herzinfarktrisiko halbieren?

Die Empfehlung von 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche ist mehr als nur eine Zahl; sie ist eine wissenschaftlich belegte Formel für ein widerstandsfähigeres Herz. Wenn Sie sich regelmäßig in diesem Umfang bewegen, lösen Sie eine Kaskade positiver Anpassungen in Ihrem Körper aus. Ihr Herz ist ein Muskel, und wie jeder andere Muskel wird es durch Training effizienter. Es lernt, mit jedem Schlag mehr Blut zu pumpen. In der Folge sinkt Ihr Ruhepuls, und auch unter Belastung muss Ihr Herz weniger hart arbeiten. Dies ist eine direkte systemische Entlastung für Ihr gesamtes Herz-Kreislauf-System.

Die Wirkung geht jedoch weit über den Herzmuskel hinaus. Regelmäßiges Ausdauertraining verbessert die Elastizität Ihrer Blutgefäße, was dem Blutdruck zugutekommt. Es optimiert die Fähigkeit Ihres Körpers, Sauerstoff aus dem Blut aufzunehmen und zu den Zellen zu transportieren. Studien zeigen, dass bei Patienten mit Herzschwäche die Sauerstoffaufnahme um 20 bis 25 Prozent steigen kann. Das Ergebnis ist eine spürbar höhere Leistungsfähigkeit im Alltag – Treppensteigen fällt leichter, lange Spaziergänge werden wieder zum Vergnügen. Gleichzeitig hilft Bewegung dabei, Risikofaktoren wie hohe Blutfettwerte und Blutzuckerspiegel zu regulieren. Jede Trainingseinheit ist somit eine direkte Investition in die Senkung Ihres Risikos für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Trotz dieser überwältigenden Vorteile zeigt die Realität in Deutschland ein anderes Bild. Eine Befragung der Deutschen Herzstiftung macht deutlich, dass die große Mehrheit der Menschen unter den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt. Laut einer YouGov-Befragung erreichen die meisten nicht die mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Diese Lücke zwischen Wissen und Handeln ist die größte Gefahr – und zugleich die größte Chance für Ihre Gesundheit. Die Entscheidung, diese 150 Minuten fest in Ihren Alltag zu integrieren, ist der wirksamste Schritt, den Sie selbst unternehmen können.

Wie Sie als Herz-Risikopatient sicher mit Training beginnen?

Für Menschen mit bestehenden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder einer familiären Vorbelastung ist der Gedanke an den Trainingsbeginn oft mit Unsicherheit verbunden. Der sicherste und effektivste Weg, diese Hürde zu überwinden, führt in Deutschland über ein strukturiertes, ärztlich begleitetes System: die kardiale Rehabilitation in Form von Herzsportgruppen. Diese Gruppen sind keine gewöhnlichen Fitnesskurse, sondern medizinisch betreute Trainingseinheiten, die speziell auf die Bedürfnisse von Herzpatienten zugeschnitten sind. Ein anwesender Arzt und spezialisierte Übungsleiter gewährleisten, dass Sie stets im richtigen Belastungsbereich trainieren.

Der Zugang zu diesen Gruppen ist klar geregelt und wird von den Krankenkassen unterstützt. Es ist ein Prozess, der Ihnen maximale Sicherheit bietet. Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt, sei es der Hausarzt oder der Kardiologe. Er kann Ihre individuelle Belastbarkeit einschätzen und eine Verordnung für den Rehabilitationssport ausstellen. Ein zentraler Baustein dabei ist oft ein Belastungs-EKG. Diese Untersuchung ermittelt präzise Ihre maximale Herzfrequenz und Belastbarkeit in Watt, die als Grundlage für Ihren individuellen Trainingsplan dient. Ohne ärztliche Verordnung kann man für ein Belastungs-EKG als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) mit Kosten von circa 100 Euro rechnen.

Mit der genehmigten Verordnung und den Ergebnissen des Belastungs-EKGs können Sie sich bei einer der rund 6.000 Herzsportgruppen in Deutschland anmelden. Diese Gruppen bieten nicht nur sicheres Training, sondern auch den wertvollen Austausch mit Gleichgesinnten. Die gemeinsame Erfahrung motiviert und hilft, langfristig am Ball zu bleiben. Der folgende Plan zeigt Ihnen die exakten Schritte auf diesem Weg.

Ihr Plan zum sicheren Training: Schritte zur Teilnahme an einer Herzsportgruppe

  1. Verordnung auf Formblatt 56 durch den behandelnden Arzt (Kardiologe/Hausarzt) einholen.
  2. Das ausgefüllte Formblatt 56 bei der eigenen Krankenkasse zur Genehmigung einreichen.
  3. Ein Belastungs-EKG durchführen lassen, um die individuelle maximale Belastbarkeit (Watt) und Herzfrequenz zu bestimmen.
  4. Sich mit der genehmigten Verordnung und den ärztlichen Berichten bei einer passenden Herzsportgruppe vorstellen.
  5. Eine geeignete Herzsportgruppe in Ihrer Nähe über die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR) finden.

Walking, Schwimmen oder Radfahren: Was ist am besten für Ihr Herz?

Die gute Nachricht vorweg: Die „beste“ Sportart ist diejenige, die Sie regelmäßig und mit Freude ausüben. Für die Herzgesundheit sind klassische Ausdauersportarten wie Walking, Schwimmen und Radfahren ideal. Sie alle trainieren das Herz-Kreislauf-System effektiv, unterscheiden sich aber in wichtigen Aspekten wie der Gelenkbelastung und der Steuerbarkeit. Die Wahl hängt daher stark von Ihren individuellen Voraussetzungen und Vorlieben ab. Nordic Walking beispielsweise ist ein hervorragender Einstiegssport, da die Technik leicht zu erlernen ist und die Gelenke nur gering belastet werden. Durch den Einsatz der Stöcke wird zudem die Oberkörpermuskulatur aktiviert, was den Energieverbrauch steigert.

Schwimmen gilt als die gelenkschonendste Sportart überhaupt. Im Wasser trägt der Auftrieb einen Großteil des Körpergewichts, was Knie, Hüften und Wirbelsäule entlastet. Es ist ein Ganzkörpertraining, das Kraft und Ausdauer gleichermaßen fördert. Radfahren wiederum bietet den großen Vorteil der exzellenten Belastungssteuerung. Auf einem Ergometer oder einem E-Bike lassen sich Widerstand und Trittfrequenz präzise einstellen, um konstant im optimalen Pulsbereich zu trainieren. Dies bestätigt auch der Experte Professor Scharhag von der Deutschen Herzstiftung:

Das Radfahren kann besser an die individuelle körperliche Belastbarkeit angepasst werden – für ein effektives, aber sicheres Training

– Professor Scharhag, Deutsche Herzstiftung

Die Vielfalt der Möglichkeiten erlaubt es, das Training abwechslungsreich zu gestalten und unterschiedliche Muskelgruppen anzusprechen. Diese Variation ist ein wichtiger Schlüssel, um die Motivation hochzuhalten und einseitige Belastungen zu vermeiden.

Verschiedene Sportgeräte für Cross-Training und Herzgesundheit

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen schnellen Überblick über die Eigenschaften der drei Kernsportarten, insbesondere im Kontext der Verfügbarkeit und Eignung in Deutschland. Sie dient als Entscheidungshilfe, um die für Sie passende Aktivität zu finden.

Vergleich der Ausdauersportarten für die Herzgesundheit
Sportart Gelenkbelastung Kalorienverbrauch Verfügbarkeit in Deutschland Besondere Vorteile
Walking/Nordic Walking Gering 400-500 kcal/h Überall möglich Einfacher Einstieg, soziale Komponente in Vereinen
Schwimmen Sehr gering 400-700 kcal/h Gut (viele öffentliche Bäder) Gelenkschonend, Ganzkörpertraining
Radfahren Gering 400-600 kcal/h Sehr gut (ausgebaute Radwege) Alltagstauglich, E-Bike-Option für Einsteiger

Der tödliche Fehler von Herz-Risikopatienten beim Sport

Als Kardiologe beobachte ich immer wieder zwei kritische Fehler, die den Nutzen von Sport zunichtemachen und sogar gefährlich werden können. Der erste und offensichtlichste ist das Ignorieren von Warnsignalen des Körpers. Der zweite, oft unterschätzte Fehler ist das abrupte Beenden einer Belastung. Stellen Sie sich vor, Ihr Herz-Kreislauf-System arbeitet auf Hochtouren: Das Herz pumpt kraftvoll, die Blutgefäße in den Muskeln sind weit gestellt, um die Sauerstoffversorgung zu sichern. Wenn Sie nun von einer Sekunde auf die andere stoppen, fällt die Muskelpumpe weg, die das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen transportiert. Das Blut „versackt“ förmlich in der Peripherie. Der Blutdruck kann rapide abfallen, was zu Schwindel, Kollaps und im schlimmsten Fall zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen kann.

Deshalb ist ein strukturierter Cool-down kein optionaler Luxus, sondern ein integraler und sicherheitsrelevanter Bestandteil jeder Trainingseinheit. Eine 5-minütige Abkühlphase erlaubt Ihrem System, sanft und kontrolliert wieder in den Ruhezustand überzugehen. Der Puls sinkt langsam, der Blutdruck stabilisiert sich, und Stoffwechselprodukte wie Laktat werden effizienter abgebaut. Dies ist besonders wichtig für Patienten, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.

Der zweite gravierende Fehler ist das Training bei Krankheit. Die Deutsche Herzstiftung warnt eindringlich davor, die eigene Gesundheit zu riskieren. Eine Erkältung oder gar Fieber sind absolute Stoppsignale. Der Körper kämpft bereits mit einer Infektion, und zusätzliche sportliche Belastung kann zu einer lebensbedrohlichen Herzmuskelentzündung (Myokarditis) führen.

Damit Ihr Herz-Kreislauf-System nicht unnötig belastet wird, sollten Sie auf Sport zuhause verzichten, wenn es Ihnen nicht gut geht und Sie beispielsweise erkältet sind. Auch wenn Sie Fieber haben oder hatten, braucht Ihr Körper Ruhe. Legen Sie eine Trainingspause ein, um Ihren Herzmuskel zu schonen und kurieren Sie sich aus. Bei Atembeschwerden sollten Sie ebenfalls auf Training verzichten.

– Deutsche Herzstiftung e.V., Sport zuhause: Tipps für herzgesundes Training

Hören Sie auf Ihren Körper. Ein strukturierter Cool-down nach jedem Training und absolute Ruhe bei Infekten sind die wichtigsten Regeln, um sicherzustellen, dass Sport Ihr Freund und Beschützer bleibt.

Wann sollten Sie vor Trainingsbeginn einen Kardio-Check machen?

Die Antwort ist einfach und unmissverständlich: Immer dann, wenn Sie über 35 Jahre alt sind und nach längerer Pause wieder mit dem Training beginnen oder wenn bekannte Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen insbesondere Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte oder eine familiäre Häufung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein präventiver Kardio-Check ist keine Hürde, sondern Ihre persönliche Sicherheitsgarantie. Er dient dazu, unentdeckte Probleme aufzuspüren und Ihre individuelle Belastbarkeit objektiv zu bestimmen. Nur so kann ein Trainingsplan erstellt werden, der Sie fordert, ohne Sie zu gefährden.

In Deutschland ist die Vorsorge vorbildlich geregelt. Das deutsche Gesundheitssystem bietet hierfür den sogenannten „Check-up 35“. Diese Untersuchung ist ein wertvolles Instrument der Prävention. Wie das Bundesgesundheitsministerium informiert, haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf diese von der Krankenkasse bezahlte Gesundheitsuntersuchung. Einmalig kann sie sogar bereits ab 18 Jahren in Anspruch genommen werden. Dieser Check-up umfasst unter anderem eine körperliche Untersuchung, die Messung des Blutdrucks sowie Blut- und Urinuntersuchungen. Er gibt einen guten ersten Überblick über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und mögliche Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für den gezielten Sporteinstieg kann jedoch eine weiterführende Diagnostik sinnvoll sein. Ein Belastungs-EKG ist hier das Mittel der Wahl. Es zeigt, wie Ihr Herz und Ihr Blutdruck unter Anstrengung reagieren, und deckt eventuelle Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße auf. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre sportlichen Pläne. Er wird entscheiden, welche Untersuchungen für Sie persönlich notwendig sind, um Ihnen grünes Licht für ein sicheres und effektives Training zu geben. Dieser Schritt ist ein Zeichen von Verantwortung für die eigene Gesundheit, nicht von Schwäche.

Wie Sie ab 40 optimal für Langlebigkeit trainieren?

Mit dem Überschreiten des 40. Lebensjahres ändern sich die Prioritäten beim Training. Es geht weniger um ästhetische Höchstleistungen als vielmehr um den Erhalt von Funktionalität, Muskelmasse und metabolischer Gesundheit – die Grundpfeiler für ein langes, autonomes Leben. Der altersbedingte Muskelabbau (Sarkopenie) und der Verlust an Knochendichte (Osteoporose) sind reale Prozesse, denen man mit einem intelligenten Trainingsmix aktiv entgegenwirken muss. Reines Ausdauertraining reicht hier nicht mehr aus.

Ein optimaler Trainingsplan für Langlebigkeit kombiniert gezielt drei Säulen: Ausdauer, Kraft und Mobilität/Balance. Das Ausdauertraining bleibt das Fundament für die Herzgesundheit. Moderates Training wie Radfahren, Schwimmen oder flottes Gehen sollte den Großteil der wöchentlichen Aktivität ausmachen. Ergänzt wird dies durch gezieltes Krafttraining, idealerweise zwei Mal pro Woche. Dabei geht es nicht um Bodybuilding, sondern um den Erhalt der großen Muskelgruppen an Beinen, Rumpf und Oberkörper. Starke Muskeln stabilisieren nicht nur die Gelenke, sie sind auch unser größtes Stoffwechselorgan und helfen, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Eine starke Rumpfmuskulatur ist zudem der beste Schutz vor Rückenschmerzen.

Die dritte, oft vernachlässigte Säule ist die Kombination aus Mobilität, Flexibilität und Balance. Gezielte Dehnübungen erhalten die Beweglichkeit der Gelenke, während Balanceübungen (z.B. Einbeinstand) die neuromuskuläre Koordination schulen. Dies ist die effektivste Prävention gegen Stürze im Alter. Ein wöchentlicher Plan könnte beispielsweise zwei bis drei moderate Ausdauereinheiten, zwei Krafttrainingseinheiten für den ganzen Körper und tägliche kurze Mobilitäts- oder Balanceübungen umfassen. Es ist die Regelmäßigkeit und die intelligente Kombination, die den Unterschied machen.

Krafttraining für Menschen über 40 Jahre zur Förderung der Langlebigkeit

Ausdauer, Kraft oder Flexibilität: Was verhindert die meisten Krankheiten?

Die Frage, welche Trainingsform „besser“ ist, führt oft in die Irre. Die moderne Präventivmedizin betrachtet die verschiedenen Trainingsarten nicht als Konkurrenten, sondern als spezialisierte Werkzeuge mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Wirkungen. Jede Säule – Ausdauer, Kraft und Flexibilität/Balance – zielt auf die Prävention unterschiedlicher Krankheitsbilder ab. Der größte gesundheitliche Nutzen entsteht erst durch ihre synergistische Kombination. Einseitiges Training hinterlässt immer Schutzlücken.

Das Ausdauertraining ist unbestritten der König der Herz-Kreislauf-Prävention. Es senkt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes Typ 2 am effektivsten. Wie das National Institute of Health (NIH) bestätigt, können mindestens 150 Minuten moderates Cardio-Training pro Woche dazu beitragen, Krankheiten wie Diabetes, bestimmte Krebsarten und Herzerkrankungen zu verzögern oder zu verhindern. Das Krafttraining wiederum ist die primäre Waffe gegen den altersbedingten Verfall des Bewegungsapparates. Es beugt dem Muskelabbau (Sarkopenie) und dem Knochenschwund (Osteoporose) vor und ist ein potentes Mittel gegen das metabolische Syndrom, da mehr Muskelmasse den Grundumsatz erhöht und die Insulinsensitivität verbessert.

Flexibilitäts- und Balancetraining schließlich ist der Schlüssel zur Erhaltung der Autonomie. Es wirkt chronischen Schmerzen entgegen, verbessert die Körperhaltung und ist die wichtigste Maßnahme zur Sturzprävention im Alter. Man kann es sich wie den Bau eines stabilen Hauses vorstellen: Ausdauertraining ist das starke Fundament und die widerstandsfähige Fassade, Krafttraining sind die tragenden Wände und die stabile Statik, und Flexibilitätstraining sorgt dafür, dass Fenster und Türen leichtgängig bleiben und die Leitungen nicht verkalken. Erst das Zusammenspiel aller Komponenten schafft ein sicheres und langlebiges Zuhause.

Die folgende Übersicht fasst die präventiven Schwerpunkte der einzelnen Trainingssäulen zusammen und verdeutlicht, warum ein ganzheitlicher Ansatz unverzichtbar ist.

Präventive Wirkungen der drei Trainingssäulen
Trainingsart Primäre Prävention Sekundäre Vorteile Empfohlene Dosis/Woche
Ausdauer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 Stimmung, Stressabbau, Schlaf 150 Min. moderat oder 75 Min. intensiv
Kraft Sarkopenie, Osteoporose, Metabolisches Syndrom Hormonhaushalt, Grundumsatz 2-3x Ganzkörper
Flexibilität Chronische Schmerzen, Autonomieverlust Beweglichkeit, Körperhaltung 2-3x 10-15 Min.
Balance (4. Säule) Sturzprävention Koordination, Propriozeption 3x 10 Min. (ab 65 Jahre)

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Erreichen von 150 Minuten moderatem Ausdauertraining pro Woche ist der wissenschaftlich fundierte Standard zur signifikanten Reduktion des Herzinfarktrisikos.
  • Für Risikopatienten in Deutschland ist ein ärztlicher Check-up (z.B. Check-up 35) vor dem Trainingsstart und der Einstieg über betreute Herzsportgruppen der sicherste Weg.
  • Ein ganzheitlicher Ansatz, der Ausdauer-, Kraft- und Flexibilitätstraining kombiniert, bietet den umfassendsten Schutz vor altersbedingten Erkrankungen und dem Verlust der Autonomie.

Wie Sie durch Ausdauertraining Ihre Lebenserwartung um 7 Jahre erhöhen?

Die Vorstellung, die eigene Lebenserwartung aktiv verlängern zu können, klingt ambitioniert, ist aber durch zahlreiche Studien wissenschaftlich untermauert. Regelmäßiges Ausdauertraining ist dabei einer der mächtigsten Hebel. Die oft zitierte Zahl von bis zu sieben zusätzlichen Lebensjahren basiert auf Langzeitbeobachtungen, die den Effekt von körperlicher Aktivität auf die zelluläre Alterung und die Reduktion von Krankheitsrisiken untersuchen. Der Mechanismus ist faszinierend: Bewegung schützt die Telomere, die Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen. Kurze Telomere sind ein Marker für biologisches Altern; Training verlangsamt ihre Verkürzung. Gleichzeitig reduziert es chronische Entzündungsprozesse im Körper, die als Treiber für fast alle großen Zivilisationskrankheiten gelten.

Besonders ermutigend ist, dass es nicht um Leistungssport gehen muss. Selbst moderate, aber regelmäßige Aktivität zeigt bereits enorme Wirkung. Eine in Deutschland durchgeführte Studie liefert hierfür den perfekten Beweis.

Fallstudie: Die E-Bike-Studie der Herzstiftung

In einer Untersuchung wurden E-Biker und konventionelle Radfahrer mit Aktivitätstrackern ausgestattet. Das Ergebnis war überraschend: Obwohl die Herzfrequenz bei E-Bikern im Schnitt nur geringfügig niedriger war, waren sie deutlich länger unterwegs – im Schnitt 135 Minuten pro Woche. Damit erreichten viele von ihnen mühelos das WHO-Ziel. Die Studie belegt eindrucksvoll, dass technologiegestützte Bewegungshilfen wie E-Bikes eine hervorragende Möglichkeit sind, um auch mit geringerer Fitness das entscheidende Trainingsvolumen zu erreichen, wie eine Analyse der Herzstiftung zum Radfahren zeigt.

Diese Erkenntnis ist ein entscheidender Weckruf, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in Deutschland ein erheblicher Teil der Bevölkerung komplett inaktiv ist. Aktuelle Daten zeigen, dass rund 35 Prozent der Befragten angeben, überhaupt keinen Sport zu treiben. Jede Minute, die Sie sich bewegen, ist somit eine direkte Investition in zusätzliche, gesunde Lebensjahre. Der größte Gewinn liegt darin, von null auf moderate Aktivität zu wechseln.

Ihr Weg zu einem gesünderen Herzen und einem längeren Leben beginnt nicht morgen, sondern heute, mit dem ersten Schritt. Der wichtigste und sicherste erste Schritt ist das Gespräch mit Ihrem Arzt. Vereinbaren Sie einen Termin für einen Gesundheits-Check-up, besprechen Sie Ihre Ziele und lassen Sie sich eine Verordnung für Rehabilitationssport ausstellen. Übernehmen Sie die Kontrolle – Ihr Herz wird es Ihnen danken.

Häufige Fragen zum Schutz des Herzens durch Training

Was umfasst der Check-up für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Der Check-up beinhaltet die Überprüfung der inneren Organe wie Herz und Lunge sowie des Bewegungsapparats. Zur Kontrolle auf mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird der Blutdruck gemessen. Eine Blutprobe und eine Urinuntersuchung geben zusätzlich Aufschluss über mögliche innere Erkrankungen.

Übernehmen Krankenkassen auch Check-ups für Versicherte unter 35?

Ja, einige Krankenkassen in Deutschland bieten dies als Mehrleistung an. Dieser „Check-up für Versicherte unter 35“ ist in der Satzung der jeweiligen Kasse verankert. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten, haben Versicherte auch ohne konkrete Symptome einen Anspruch auf diese Vorsorgeuntersuchung.

Ab wann ist ein Belastungs-EKG sinnvoll?

Ein Belastungs-EKG ist besonders sinnvoll, wenn Sie neu mit dem Training beginnen, übergewichtig sind oder bereits eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Ihnen vorliegt. In diesen Fällen sollten Sie vor dem Trainingsstart bei Ihrem Arzt Ihre individuelle Belastungsgrenze ermitteln lassen, um sicher trainieren zu können.

Geschrieben von Lisa Hoffmann, Lisa Hoffmann ist Diplom-Oecotrophologin mit Spezialisierung auf Sporternährung und seit 12 Jahren als selbstständige Ernährungsberaterin für Ausdauer- und Kraftsportler tätig. Sie kombiniert biochemisches Fachwissen mit praxistauglichen Ernährungsstrategien für optimale sportliche Leistung und langfristige Gesundheit.